Drucken

Archiv: Detail

Samstag, 14. Juni 2014

Stadttunnel Zug

Drucken

Der Zuger Stadttunnel erhitzt und polarisiert als Langzeitprojekt die Gemüter der Zuger Bevölkerung seit mindestens 30 Jahren. Die Qualität der Altstadt steigern, die Kernstadt entlasten, Stadtbiotope nicht zerstören, Wohnquartiere vor Lärmimmissionen schützen, Gefährdung historischer Bausubstanz vermeiden – viele Anforderungen und Herausforderungen, für die in sorgfältiger Abwägung Lösungen gefunden werden müssen.

2008
Der Zuger Heimatschutz engagiert sich im Rahmen der Vernehmlassung zur Richtplananpassung / Festsetzung Stadttunnel Zug am 7. Mai 2008 mit einer umfangreichen Studie zum vorliegenden Planungsstand:

Der vorgeschlagene Stadttunnel wird als Folge seiner diversen Zu- und Ausgängen zu einer überdeckten, zusätzlichen Erschliessungsstrasse. Das Ziel, die Kernstadt Zug zu entlasten, damit ein vielfältiges Leben in der Stadt sich besser entwickeln lässt, wird nicht erfüllt. Das Ziel, die Qualtät der Altstadt zu steigern, wird mit verschiedenen Zerstörungen torpediert. Für den geplanten Anschluss Aegeristrasse wird auf die Länge von 105 m ein Stück „Tunnel“ oberirdisch entlang der Stadtmauer beim Knopfliturm geführt. Die neue Strasse zerstört ein spannendes Stadtbiotop entlang der Stadtmauer mit Gartenanlagen und verschiedenen, sehr eigenwilligen Bauten. Ein intaktes, grosses Wohnquartier wird neu mit Lärmimmissionen versorgt. Infolge der durch den Anschluss Aegeristrasse notwendigen hohen Lage des Tunnels, zur Überfahrung des SBB Tunnels, entstehen zusätzliche Probleme: Historische Gebäude wie der Pulverturm oder das ehemalige kantonale Zeughaus müssen knapp unter den Fundamenten unterfahren werden. Dies gefährdet die historische Bausubstanz und trennt die Bauten von ihren Wurzeln. Was die offene Baugrube während einigen Jahren für die Stadtbevölkerung und den Stadtverkehr bedeutet, wurde noch nicht in seiner Tragweite wahrgenommen.

Die Stellungsnahme des Zuger Heimatschutz hatte ein viel beachtetes Echo, sowohl bei der Bevölkerung, den Verantwortlichen in der Regierung und der Verwaltung, wie auch in der Presse (Siehe Neue Zuger Zeitung, 8. Mai 2008, Seite 19). Bei der Weiterentwicklung des Projektes  nach dem Mai 2008, wurde von den Ingenieuren versucht, mit einer gallerieartigen Überdeckung das Lärmproblem zu entschärfen.

2009
Nun wurde es etwas ruhiger bei der Planung des Zuger Stadttunnels. Der Tunnel taucht nun als Pro oder Contra Argument im Vorfeld der Volksabstimmung vom 29. November 2009 zum grossen Strassenprojekt der Tangente Zug / Baar auf. Wie im ganzen Kanton, waren die Meinungen zur Tangente auch im Vorstand des Zuger Heimatschutz geteilt. Dem Schutz der „Grünen Lunge“ zwischen Zug und Baar, sowie der Überzeugung, dass es keine neuen Strassen brauche, standen Argumente der Entlastung der Städte sowie neue Möglichkeiten der Stadtentwicklungen in Zug und Baar entgegen.

Der Suverän hat entschieden, die Tangente soll gebaut werden. Nun geht es darum, dass der neuen Strasse möglichst viele Vorteile abgerungen werden können und die hohen Investitionen sich in vielen positiven Folgen nieder schlagen werden. Dass dieses Ziel erreicht werden kann, müssen wir alle unseren Kanton unter der neu entstandenen Randbedingung betrachten. Eben haben wir mit der Eröffnung der Nordzufahrt und der Eröffnung der Autobahn durchs Säuliamt erfahren, wie sich Verkehrsströme und Fahrgewohnheiten innert kürzester Zeit verändern können. Gefühlsmässig sind vertraute Orte über Nacht an andere Orte gerückt. Nähe und Ferne werden anders wahrgenommen. Sehr schnell sind die neuen Möglichkeiten vertraut und wieder selbstverständlich.

2010
So wird es uns auch nach der Eröffnung der Tangente ergehen. Wir werden viele Orte im Kanton anders wahrnehmen, anders erreichen. Mit dem Training der letzten Monate in Sachen Verkehrswege wollen wir uns Möglichkeiten vorstellen, was könnte sein, wenn die Tangente ist.

Der Zuger Heimatschutz geht davon aus, dass die Mehrheit der Kantonsbevölkerung einen Stadttunnel in Zug will. Seit vielen Jahrzehnten ist er ein Thema.

Wenn wir uns einen Tunnel leisten wollen, dann hat der Zuger Heimatschutz klare Ansprüche an ihn: Der Tunnel muss einen maximalen Nutzen generieren und minimale Opfer fordern.

Für die Stadt Zug ergibt sich die Chance, die Stadt zurück zu gewinnen. Der „Fernverkehr“ und der Durchgangsverkehr wird in den Tunnel geleitet. Nur der Innerstädtische Verkehr, der auf Grund der vielen Parkplätzen in der Stadt immer eine beträchtliche Menge sein wird, soll zu empfindlichen Zeiten zirkulieren können. Der reduzierte Verkehr im Kernbereich eröffnet neue Möglichkeiten, wie z.B. die oft gewünschte verkehrsfreie Vorstadt. Der Tunnel muss also eine gewisse Grosszügigkeit und Länge aufweisen, damit er dieses Ziel erreichen kann. Wir müssen den Stadttunnel immer auch aus der Optik des kantonalen Verkehrsystems betrachten. Mehrere Ein- und Ausfahrten entsprechen nicht der Grösse der vorhandenen und sich entwickelnden Stadt und gefährden die Sicherheit. Der Tunnel  ist nicht nur eine städtische Angelegenheit. So soll der Tunnel während Stosszeiten benutzt werden müssen und in verkehrsarmen Zeiten kann er befahren werden. Verkehrsabhängige Signale können den Verkehrfluss steuern. Die Stadt Zug hat zu wenig Einwohner, dass sie eine verkehrslose Innenstadt beleben könnte. In  Randzeiten braucht sie den Verkehr, auch für die Sicherheit der einsamen Fussgänger.

Ein Tunnel darf keine wertvolle Substanz oder attraktiven Stadtteile zerstören und muss stadtschonend realisiert werden können. Der Zuger Heimatschutz kann sich das nur als unterirdischer Vortrieb vorstellen. Ein Tagbau hätte zu schwerwiegende Folgen, was die Störung, die Zerstörung und die Kosten betrifft.

Diese und andere Überlegungen lassen uns folgenden Stadtunnel vorstellen: Ein Tunnel mit zwei Portalen, das eine bei der Frauensteinmatt, das andere im Gubelloch unter den SBB Geleisen.

Dieser Vorschlag bietet folgende Vorteile: Zwischen den beiden Portalen entsteht ein angemessener Raum, in dem sich die Stadt Zug entfalten und seine städtischen Qualitäten entwickeln kann. Die beiden Portale können ein Maximum von Verkehr aufnehmen, so an der Artherstrasse den Verkehr von Süden, den neuen Wohnquartiren, der Hofstrasse und der Zugerbergstrasse. Vom Gubelloch ist es nicht weit zur Nordzufahrt, er ist optimal ans bestehende Strassennetz angebunden. Über die bestehenden Kreisel sind auch die Metalli und die Baarerstrasse gut erreichbar. Wir sind hier nahe des neuen Schwerpunktes von Zug. Der Schwerpunkt der Stadt liegt nicht mehr beim Postplatz, sondern nördlich des Bundesplatzes. Dorthin fliesst  am meisten Verkehr. Dieser Schwerpunkt liegt in der Nähe der Tangente, welche für die Stadt zu einem wichtigen Erschliessungsstrang wird. Der Bergmännische Vortrieb wird sich auf die Kosten positiv auswirken. Die beiden Portale werden das vertraute Stadtbild praktisch nicht verändern.

2023
Der Zuger Heimatschutz ist überzeugt, dass mit dieser Variante die Stadtquerung souverän gelöst, das vorhandene Strassensystem optimal genutzt und einbezogen wird, keine Zerstörungen ausgelöst wurde, die Stadt Spielraum für ihre Entwicklung gewonnen hat und der Kanton sein Strassensystem der Bevölkerungszahl entsprechend angemessen erweitern konnte. 

Zuger Heimatschutz
Ruedi Zai , Vorstandsmitglied

Stellungsnahme Zuger Stadttunnel 2008, pdf 9.1 MB